plus minus gleich

German engineered

Dietrich „Rick“ Hanke – Entwickler der Maui Ultra Fins

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Viele Experimente mit Finnen gab es seit der Erfindung des Windsurfens - die häufige Unzufriedenheit mit der Finne hat in mehr als 30 Jahren Windsurfen einen enormen Erfindungsgeist ausgelöst. Aber wahrscheinlich hat keiner die Finne so professionell berechnet wie Dietrich Hanke aus Braunschweig, auf Maui, Hawai’i, „Rick“ genannt – denn auch dieser passionierte Windsurfer hat sich seit vielen Jahren über mangelhafte Finnen geärgert. Schließlich ergriff er dann die Gelegenheit und hat sich seine beruflichen Erfahrungen zu Nutze gemacht - mit durchschlagendem Erfolg. Dabei herausgekommen sind die sagenhaften Maui Ultra Fins!

Windsurfer ist Rick seit 1979 und seitdem hat er sich über die verfügbaren Finnen geärgert: "Schöne Farben, fantasievolle Outlines, schlechte Profile". Ab 2005, nach seiner Pensionierung, hatte er dann endlich Zeit, sich eingehend der Finnenentwicklung zu widmen. Schließlich kennt er sich mit Aerodynamik aus, denn er ist – wie im übrigen auch Windsurfing-Erfinder Jim Drake – Luft- und Raumfahrtingenieur und hat fast 35 Jahre beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Bereich Flugmechanik gearbeitet.

Seitdem er sich professionell der Finnenentwicklung verschrieben hat, verbringt er ungefähr fünf Monate im Jahr auf Maui, geht windsurfen, nimmt Ukulele-Unterricht und konstruiert und testet Finnen. Die restliche Zeit des Jahres reist er - wen wundert es - an andere herrliche Surfspots oder aufs gefrorene Wasser zum Snowboarden.

Rick-MUF-SailFirst_X-WaveRick_playing_the_Ukulele

Die außergewöhnliche Geschichte der Maui Ultra Fins begann zunächst mit einer Diskussion über aerodynamische Entwurfsgrundlagen mit einem Bekannten, einem Professor für Entwurfsaerodynamik an der TU Braunschweig. Dann hat Rick mit einem entsprechenden Simulationsprogramm Hunderte von Profil-Varianten durchgerechnet und so lange optimiert, bis ein Profil entstand, das Ricks Anforderungen am besten erfüllte, viel besser als die dünnen und spitznasigen Finnenprofile von heute.

Die ersten Prototypen wurden auf einer hochpräzisen CNC-Fräsanlage auf Maui in G-10 gefertigt. Maui erwies sich als der ideale Ort für die Finnenentwicklung: Zum ersten, weil es vor Ort die Möglichkeit gab, bei Maui CNC kurzfristig Prototypen fräsen zu lassen, zum zweiten durch die idealen Windsurfbedingungen mit praktisch täglichem Wind zum Testen und drittens, der Möglichkeit andere Surfer und Profis für Testzwecke zu finden, die auch offen dafür waren, neue Dinge auszuprobieren und die wertvolle Rückmeldungen über die Fahreigenschaften gaben.

Ricks eigene Testfahrten und die von Freunden und Profis bestätigten seine Entwurfsziele sofort. Die erste Finne war schnell, agil, lief extrem gut Höhe und war weitgehend spinout-frei. Darüber hinaus hat Rick die typisch geschwungene Form der Wave-Finne in Frage gestellt und seine Wave-Finnen mit elliptischer Outline und relativ gerader Vorderkante entworfen, weil das aus hydrodynamischen Gründen wesentlich bessere Leistung versprach. Mit vollem Erfolg: hervorragend in der Welle, stabil im Bottom Turn und loose im Cut back, so wie es sein soll.

Am Anfang war es dennoch teilweise nicht einfach, Fahrer davon zu überzeugen, so eine Wave-Finne auszuprobieren. Doch nachdem sie sie gefahren hatten, wollten sie sie nicht mehr hergeben. Typischer Kommentar: "Das beste, was ich je gefahren hab'" und "Ich erkenn mein Board nicht wieder", "Wie ein Porsche" usw.

Die Nachfrage nach den Finnen veranlasste Rick, die Finnen einem größeren Kreis zugänglich zu machen und sie dann auch im Internet anzubieten. Damit war im Oktober 2007 "Maui Ultra Fins – Advanced Airfoil Design" geboren. Die Superfinne: German engineered, Maui developed and tested.

Ein Jahr später wurde die ursprüngliche Wave-Finne modifiziert. Es entstand die X-Wave, fast wie die elliptische Wave, aber mit einer Verjüngung, um die Finnenfläche an der Spitze zu verringern. Dieser Entwurf war auf Anhieb ein Erfolg, noch looser in der Welle ohne an Speed und Grip zu verlieren. Kurz darauf wurde das gleiche Prinzip auf die Twinser-Finnen (X-Twin) angewendet, die gerade in Mode kamen und die Jason Polakow als das Beste, was er je gefahren hatte, bezeichnete.

Diese Designmerkmale wurden später dann auch auf Quad- und Tri-Finnen angewendet. Inzwischen ist die X-Serie der Standard für Wave Boards. Sie werden bereits von JP Australia kopiert und sind auf allen JP-Wave- und Wave/Freestyle-Boards vertreten. Mittlerweile ist Maui Ultra Fins weltweit etabliert und die Finnen werden von vielen Windsurfern und Profis gefahren.

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Eine weitere Innovation entstand 2009 mit der so genannten Nospin-Finne, die, wie der Name schon sagt, praktisch spinout-frei ist. Für die Nospin wurde ein Profil entwickelt, das extrem hohe Anstellwinkel verträgt und damit den Strömungsabriss (Spinout) zu hohen Anstellwinkeln hin verschiebt. Auch willkürliche Aktionen, wie während der Fahrt gegen das Brett treten, führen nicht zum Spinout, das Brett reagiert mit einem kräftigen Gegendruck, wie bei einer Gummiwand.

Maui Ultra Fins hat inzwischen einige Weltklassefahrer im Team wie Robby Swift, Philip Köster, Taty Frans, Florian Jung und Big Wave Wellenreiter Sebastian Steudtner. Doch auch die Slalomfahrer Antoine Albeau und Micah Buzianis fahren Maui Ultra Fins, wenn sie in die Welle gehen. Für sie sind das einfach die besten Wave-Finnen, nachdem sie alle möglichen Finnen ausprobiert hatten.

Ein weitere Bestätigung der außergewöhnlichen Finneneigenschaften von Maui Ultra Fins war die Entscheidung von Anders Bringdal alle neuen Mistral-Bretter mit Finnen von Maui Ultra Fins auszurüsten.

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Mittlerweile bietet Maui Ultra Fins die gesamte Palette an Finnen an: Wave, Freestyle, Ride, Slalom, Speed, Weed, SUP und Surf. Es gibt Vertriebspartner in den USA, Europa und Japan. Alle Finnen sind aus G-10 von höchster Qualität. Sonderwünsche werden als Custom-Finnen auf Maui hergestellt.

Ein modernes Märchen im etablierten Windsurfbereich ist auch heute noch möglich, wie man an dieser außergewöhnlichen Geschichte sieht.